Tokay's go (back) to Africa...


Leben in zwei Welten: Schweiz und Südafrika, Südafrika und Schweiz

Aufbruch und Ausbruch

Vor zwei Jahren sind wir nach Südafrika aufgebrochen und haben uns damit von der gewohnten Komfortzone verabschiedet. Begleitet wurden wir vom SRF («auf und davon»), welche uns in zeitlichen Abständen besuchte und unser Abenteuer dokumentarisch festzuhalten versuchte.

Für uns waren die letzten zwei Jahre die prägendsten in unserem bisherigen Familienleben. Das Ankommen und das Leben in Südafrika mit unseren beiden Kindern hat uns gezeigt, was eine Familie wirklich ausmacht, die Herausforderungen annimmt und dabei aufeinander zählen kann. Ein «emotionaler Gewinn» der fest in unseren Herzen verankert bleibt.


Unsere eigene Farm- in Afrika - ein Meilenstein in unserem Leben

Der Kauf unserer Farm war ein Meilenstein in unserem Leben und damit ging unser Herzenswunsch in Erfüllung: Die Gründung unserer Stellar Overberg Farm und Lodge.

Eigentlich war die Farm nicht offiziell zum Verkauf angeboten und gehörte damals einem bekannten südafrikanischen «alt-Rockmusiker», der aus Altersgründen die Farm verkaufen wollte und trotzdem emotional noch daran hing. Nach etlichen Verhandlungsgesprächen gelang es uns schliesslich den Zuschlag für die Farm zu erhalten. Umso spezieller war der Tag, an dem wir mit Kids und Vierbeinern zum ersten Mal auf unserer eigenen Farm standen, die Sonne unterging, den Sternenhimmel genossen und das «Kreuz des Südens» erblickten. Das war die Geburtsstunde unseres Logos für die Stellar Overberg Travellers Lodge.

Herausforderungen – definitiv nicht der Wasserrohrbruch

In der Dok. «auf und davon» wurde theatralisch ein Wasserrohrbruch gefilmt. Für uns war dies allerdings kein grosses Drama, weil wir das betroffene Bad in der Woche darauf sowieso sanieren wollten.

Vielmehr beschäftigte uns zum Beispiel die Aufgabe, was es heisst in Südafrika mit Angestellten einen Arbeitsvertrag abzuschliessen. Wir lernten die Philosophie der Arbeitsmoral kennen, dass solange der Lohn (oder Weihnachtsbonus) ausreicht auch keiner zur Arbeit erscheint. Oder man für dringende Einkäufe schon einmal nicht arbeiten geht und sich nicht abmeldet, wenn man nicht zur Arbeit erscheint. Wir haben unterdessen gelernt damit umzugehen, sich keine Sorge über die nicht erscheinenden Mitarbeiter zu machen und auf keinen Fall das Gefühl zu haben, dass die Mitarbeiter dies aus Bosheit machen. Ein guter Freund meinte mal mit Augenzwinkern, als wir ihm unser Leid klagten, man solle die Beschäftigung lokaler Arbeiter eher als soziales Werk sehen.

In Südafrika hat man als Arbeitgeber nicht nur einfach den Lohn für den Arbeitnehmer zu bezahlen, sondern man übernimmt auch (finanzielle, materielle und emotionale) Verantwortung für die gesamte Familie. Man leidet bei Schicksalsschlägen mit, versucht zu unterstützen wo es möglich ist und hat ein offenes Ohr für Anliegen und Sorgen. Deshalb beginnen unsere Arbeitstage am Morgen immer mit einem Händedruck zur Begrüssung und Arbeitsbesprechung. Dies gibt uns die Gelegenheit zu sehen, wie es unseren Leuten geht und was sie beschäftigt.


Ankommen in Napier und neue Freunde

Napier ist ein hübsches kleines Städtchen, mit afrikanischen Schotterpisten und kleinem Township. Im Stadtzentrum treffen sich alle Menschen, egal welche Hautfarbe und man kennt sich. Viele Menschen aus den südafrikanischen Metropolen zieht es hinaus in die ländliche, naturnahe Gegend und auch etliche Europäer finden sich in dem kleinen Städtchen wieder. Beliebt ist es auch aufgrund der guten Restaurants, dem Saturday Market und der Nähe zu bekannten Nationalparks, Stränden und dem südlichsten Punkt von Afrika.

Wir fühlen uns in der Gemeinschaft durch die offene Art der Bewohner wohl und können auf eine freundschaftliche Nachbarschaft zählen. Regelmässige Braai-Anlässe (Grillabende) werden unter schönem Sternenhimmel, am Lagerfeuer und bei gehaltvollen Gesprächen gemeinsam genossen und sicher unvergesslich bleiben die Abende während der Fussball WM mit kunterbunt anwesenden Nationalitäten und viel Sympathie für unsere Schweizer Fussballnationalmannschaft.

Der grösste Feind - der Buschbrand

Wie wertvoll eine gute Nachbarschaft unter Farmern ist, bewahrheitete sich auch als an einem Sonntag im Januar 2019 plötzlich sehr starke, dunkle Rauchwolken im dichten Wald um Napier sich bedrohlich ausbreiteten. Gemeinsam wurde koordiniert, wir standen zusammen und halfen Tiere in Sicherheit zu bringen. Es folgten nächtelanges Wache halten, etliche Kontrollfahrten an die Brandherde, Austausch Farmern, Neighbourhood Watch, mit Feuerwehr und Polizei sowie dem «Beten», dass sich die Windrichtung nicht ändert.

Beeindruckt haben uns viele Farmer, die von weit her gekommen waren mit ihren eigenen Löschfahrzeugen, um zu unterstützen. Das Feuer wurde vom Boden und aus der Luft bekämpft - beängstigende Szenen, weil man erkennt, wie wenig wir Menschen teilweise ausrichten können. Der Helikopter wirkte wie eine Libelle über den riesigen schwarzen Rauchwolken- nichts ging mehr. Unsere Deutschen und Schweizer Gäste, die sich in unserer Lodge aufhielten, waren voller Verständnis, interessiert und mit dem Herzen mit dabei. Das hat uns tief berührt.

Auch wenn man auf unserer Farm heute nichts mehr von den grossflächigen Bränden sieht, wir werden diese Wochen niemals vergessen und auch heute noch sind wir extrem sensibilisiert, wenn wir irgendwo Rauchwolken aufsteigen sehen.

Die erste Saison mit unseren Gästen in der Stellar Overberg Lodge

Wir haben gemeinsam mit unseren Mitarbeitern, Volontären und Freunde auf den grossen Eröffnungstag hingearbeitet und natürlich war es ein spezieller Moment, als wir am ersten Wochenende im Oktober 2018 unsere Lodge eröffneten. Viel Arbeit und Herzblut stecken in unserem Projekt und wir wissen heute, dass ohne tage- und nächtelanges Arbeiten, wir die Lodge nie rechtzeitig hätten eröffnen können. Auch während der Saison lernten wir viel dazu, verbesserten uns und waren von der teils ausgebuchten Lodge total überrascht.

Zufrieden und auch ein bisschen stolz, blicken wir auf unsere erste Saison mit unseren Gästen zurück: Schweizer und Schweizerinnen besuchten uns auf ihrer Reise durch Südafrika und vor allem viele Europäer sowie Reisende aus den verschiedensten Ecken der Welt fanden den Weg auf unsere Farm. In schöner Erinnerung bleiben all die Abende am Lagerfeuer mit Gästen, die sich über ihre Reiseabenteuer und Erlebnisse austauschten und mit südafrikanischen Gästen über das dynamische Land Südafrika diskutierten. Manchmal waren wir mittendrin und manchmal genossen wir aus der Ferne von unserer Farm-Veranda aus, die Gespräche unserer Gäste.

In guter Erinnerung bleibt auch der Abend mit einem Schweizer Paar, das seit drei Jahren auf dem Velo die Welt bereist und auf ihrer Reise durch Südafrika einige Tage auf unserer Farm verbrachten.

 

Jetzt im August ist «tiefer Winter» auf der Farm eingekehrt und unsere zwei treuen Mitarbeiter Christa und Sakhile verbringen ihre wohlverdienten langen Ferien. Für beide sind es die allerersten bezahlten Ferien, die sie je in ihrer Arbeiterkarriere erfahren durften. Uns freut es, dass sie Gelegenheit haben, ihre Familien zu besuchen, die zum Teil weit entfernt im Ost- Kap wohnen.

 

Leben in zwei Welten: Schweiz und Südafrika, Südafrika und Schweiz

Während Jackie, unsere schweiz-südafrikanische Farmmanagerin, unsere Farm hütet, machen wir einen weiteren Gestaltungsschritt in unserem Familienprojekt: Wir reisen in die Schweiz und gehen unseren persönlichen Projekten nach.

 

Das Leben in der Schweiz geht während unserer Abwesenheit seinen gewohnten Gang. Es sieht alles unverändert aus als wir in der gewohnten Umgebung in der Schweiz ankommen und doch fühlt es sich anders an als vor zwei Jahren: Die Gärten alle gleich, vielleicht ein paar neue Bauten, die Menschen meist noch alle unverändert in ihren Alltagsstrukturen, Personen die immer noch dieselbe Joggingrouten laufen, viele Bekannte die wie gewohnt im Sommer in die Badi gehen etc.

Schliesslich wird es uns bewusst, was uns sonderbar vorkommt hat mit uns zu tun. Es sind wir Vier, die sich verändert haben durch all die Erlebnisse und Menschen die uns in den letzten zwei Jahren, prägten.

Während unsere Kinder sich mit (neuen, alten) Freunde treffen und die Schulbank drücken, kümmern wir uns um unsere Projekte: Tibor im IT-Bereich und der Planung von Touren in Südafrika und ich als Sozialarbeiterin in meinem Fachgebiet. Dazu kommen Coaching Termine mit Personen, die ihr Leben etwas umgestalten möchten oder längere Auslandaufenthalte planen sowie Auslandschweizer die Unterstützung in Entscheidungsfindungen / Krisen wünschen. Abends oder auch am Wochenende fallen oft auch Aufgaben für unsere Stellar Farm, an die mit der Vorbereitung für die kommende Saison ab September 2019 zusammen hängen.

 

Und wir geniessen momentan die Schweiz zu Fuss und mit dem Mountainbike, lieben es Museen und Burgen zu besichtigen und sind begeisterte «Foxtrailer» geworden. Die Zeit mit alten, authentischen sowie neu gewonnenen Freunden geniessen wir mehr als je zuvor und natürlich die örtliche Nähe zu unserer Familie. Wertvolle und schöpferische Zeit also, die wir nun gerade in der Schweiz erleben dürfen.

 

Rückblick und Fazit unserer Entscheidung

Wenn uns Menschen ansprechen und fragen: «War das alles so geplant?» antworten wir gerne mit einem Gegenargument. Nicht jeder Schritt muss im Voraus geplant werden, wenn man sich die Freiheit lässt, dynamisch und spontan (Lebens-) Entscheide fällen zu können. Unser Herzenswunsch war gross und am Ende unseres Lebens wollen wir uns selbst zulächeln können, weil wir das ausprobiert haben, was wir immer schon tun wollten: Eine eigene Farm in Afrika und unsere eigenen Arbeitsprojekte entwickeln können. Eben ein dynamisches und abwechslungsreiches Leben zu führen.

 

Vieles schauen wir heute gelassener an- wir werten kaum noch. Südafrika und die Schweiz miteinander zu vergleichen ist eine Unmöglichkeit. Beide Länder haben ihren unschätzbaren Wert der Einzigartigkeit und wir lieben sie beide. Die Welt für uns steht mehr als offen, so auch unseren Kindern, von denen wir immer wieder erstaunt sind, wie sie sich entwickeln. Wir sind stolz auf die beiden, sie meistern viel und sind begeisterungsfähige Abenteurer geworden.

 

Zukünftig trifft man uns also in der Schweiz und in Südafrika an, mal als Familie und auch mal alleine, das macht unser Leben und Alltag, den es so nicht gibt, so vielseitig:

Wir sind auf dem richtigen Pfad... der Weg ist definitiv unser Lebens-Ziel.

 

«Auf und davon» - unsere Haltung dazu

Viele Schweizer und Schweizerinnen sprechen uns aufgrund der Dokumentation an und fragen ob wir im Nachhinein erneut mitmachen würden. Für uns gibt es keine schlüssige Antwort. Wir haben auf jeden Fall viel daraus gelernt.

Die Illusion, dass wir als Familie authentisch dargestellt werden hat sich klar relativiert. Heute nehmen wir Medienberichte distanzierter und sensibilisierter wahr und nehmen möglichst keine Wertung vor von Dingen, die wir nicht selbst gesehen und erfahren haben.

Wer uns authentisch kennen lernen möchte, dem ist dies definitiv nur in «echtem» Austausch möglich.

Und nein, wir haben kein Geld vom SRF erhalten und ja, werbetechnisch war es eine gute Sache und nein, wir haben nie, niemals «arme schwarze Kinder» ohne Essen stehen gelassen.

Südafrikas Leben und deren Komplexität kann nicht in einem Format wie «auf und davon» dargestellt werden. Das Land ist zu wertvoll, mit all den Menschen die füreinander da stehen die im Kleinen Hilfe leisten in einem sehr komplexen, teils problematischen und doch  einzigartigen und wunderschönen Land. Dieses umfassende Bild wurde sicher nicht dargestellt und dafür eignet sich das Format von «auf und davon» auch nicht, leider wurde es trotzdem versucht.

Johnny Clegg einer der bekanntesten Singer und Songwriter Südafrikas, Apartheid-Gegner und leider kürzlich verstorben, würde vermutlich in einem Song die heutige Dynamik, Schönheit und Problematik des Landes erklären und die verschiedenfarbigen Gesichter vereinen können.

 

Es grüsst euch von Herzen die Familie, die in zwei Welten lebt - wir sehen uns in der Schweiz oder in Südafrika.

 

Herzlichst, DoTiAnMi Tokay 


Wie alles begann: Die Entscheidung für unser Familienprojekt in Südafrika

Seit 25 Jahren beschäftigen Tibor und ich (Doris) uns mit einer möglichen Auswanderung nach Südafrika. Und immer gab es Gründe, um den Traum zu verschieben. Aus beruflichen, familiären Gründen, es fehlte immer wieder mal das "Quäntchen Mut und Zuversicht" um den Entscheid der Auswanderung umzusetzen. 

Tibor ist durch seine verbrachte Kindheit und Jugend in Südafrika eng mit dem Land verbunden. Seit 1990 sind wir als Paar gemeinsam unterwegs und bereisten das südliche Afrika unzählige Male. Nach der Geburt unserer beiden Kinder, besuchten wir Südafrika und Tibors Familie mehrere Male und verbrachten viele spannende Abenteuer zu Viert. Die "rote Erde" liess uns nie mehr los und der Gedanke, in Südafrika unser Familienleben mit unseren zwei Kindern, Annikki und Miika fortzuführen, wurde immer stärker: Etwas Neues gemeinsam zu gestalten, zu wissen dass die Familienzeit zu viert nicht ewig andauert, bestärkte schliesslich unseren Entscheid, die Auswanderung nicht mehr weiter hinaus zu zögern.

Mit allen Erfahrungen in beruflicher und privater Hinsicht und mit allen Konsequenzen (Abschied von meiner Familie, unseren Freunden, Hausverkauf, etc.) bauen wir unsere Zelte in Steckborn/CH ab. Eine wunderschöne Zeit, die wir nicht missen wollen, doch um ein neues Kapitel in unserem Leben zu öffnen heisst es nun auch ein Kapitel unseres Lebens zu schliessen. 

So kommen wir unserem langersehnten Wunsch, ein Gästebetrieb in der Region um Kapstadt zu eröffnen, einen grossen Schritt näher.

Wir freuen uns auf ein neues Familien-Abenteuer in Afrika und hoffen auf ein "Wiedersehen" von Familie und Freunden in unserer Wahlheimat in kommender Zukunft...



Unser Start in Südafrika - die Tour durch Botswana, Namibia und Südafrika

In unserem Blog berichten wir detailliert über diese Reise, die Etappen, die Ziele und unsere Erlebnisse.


Unsere Stellar Overberg Travellers Lodge, Napier, Südafrika

Seit Anfang Mai 2018 sind wir stolze Besitzer der Stellar Overberg Farm in Napier im Overberg Distrikt, Westkap, Südafrika. Wir produzieren Wein, Oliven und haben Freilaufhühner und drei Hunde. 

Im ehemaligen Weinkeller betreiben wir die Stellar Overberg Travellers Lodge  Mehr dazu in Kürze in unserem Blog.


Unsere Reise durch das südliche Afrika im Dezember 2017

In unserem Blog erzählen wir wieder ausführlich über unsere Reise im Dezember2017.