Mithilfe am sozialen Projekt: Herfsfees in Stanford

Schon immer hatten ich mich aufgrund meines beruflichen Backgrounds die sozialen Projekte im Bereich Kindesschutz in Südafrika interessiert. Dank unserem wachsenden Freundeskreis in Südafrika, lernten wir auch die Familie Regina und Howard kennen. Regina leitet seit Jahren den Verein "Bildungshilfe Südafrika", der ein Partner der südafrikanischen NPO "Creative Skills Factory" darstellt. Howard ist durch und durch ein Südafrikaner, der sich für Menschenrechte in seinem Land "ein- und durchsetzt" und gleichzeitig seine African Horse Company leitet. 

Ich begleitete Regina vermehrt zu Familien in den Townships sowie in die Schulen und nahm an Meetings mit dem Schuldirektor teil, der die teils dramatische Situation seiner Schulkinder sehr gut kennt und sich für sie einsetzt. Die Situation in den Schulen ist kaum zu beschreiben. In einer Klasse befinden sich über 40 Kinder, der Lärmpegel ist sehr laut und auch die Lehrer schreien ihre "Befehle" an die Kinder. Viele Kinder leiden an den Symptomen von Aids, auch Tuberkulose ist ein Thema. Einzelne Kinder schnüffeln Leim oder kommen gar nicht mehr zur Schule. Kindsmissbrauch und Häusliche Gewalt, Vernachlässigung und schlechte Ernährung sind alltägliches Leid. Die Eltern sind teils nicht präsent für ihre Kinder und mit der Erziehung und Fürsorge überfordert. 

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Besuch in der De Bron School

Regina hat alle Hände voll zu tun- und nur durch die Foundation kann sich die Schule es leisten, einzelne Kinder bei Regina therapeutisch zu behandeln. Regina besucht die Klassen jede Woche und macht ergotherapeutische Spiele in den Gruppen. Die Freude und Partizipation der Kinder an solchen Spielen ist enorm, sie strahlen und freuen sich über diese Aufmerksamkeit. Sofort nehmen die Kinder auch meine Hände und lassen uns kaum gehen. Die Not von Aufmerksamkeit oder Zuwendung ist omnipräsent bei diesen Kindern. 

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Regina mit Schülern  und Annikki mit Schülerinnen im Austausch

Ebenfalls pflege ich den Kontakt zu Ali October, einer sehr engagierten Police Officer, die sich mit der Thematik Häuslicher Gewalt und der Prävention intensiv auseinander setzt und weit mehr leistet als ihren Dienst! Die Polizei hat zu wenig Fahrzeuge- die alleinerziehende Ali fährt deshalb oft mit ihrem eigenen Auto an das Geschehen und veranstaltet Gesprächsrunden mit betroffenen Frauen zu aktuellen Brennpunktthemen. Es ist schlicht ihre Herzensangelegenheit und sie kennt die Not der Kinder aus eigener Erfahrung. Ganz stolz berichtet sie, dass ihre ältere Tochter nun Jura studiert und sich zum Ziel gesetzt habe, später sich für Kinderrechte einzusetzen. Ihre Tochter ist 20 Jahre alt und Ali ist stolz darauf, dass ihre Tochter bis heute noch nicht Mutter geworden ist!

Im April 2018 fand unter der Leitung von Howard und Tibor und weiteren OK-Mitgliedern zugunsten der Foundation und mit dem Gedanken des "get together between whites, coloreds and blacks" das zweitägige Festival "Herfsfees" (Herbstfest) in Stanford statt. 

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Die Herfsfees - Crew... mit Howard, Carsten, David, Tibor und Carel (v. links)

Einer der Höhepunkte bildete die Parade zur Eröffnung des Anlasses. Regina und ich und weitere Volontairinnen bereiteten gemeinsam mit den Kindern in den Schulen Masken und Dekorationen für die Parade vor. Auch meine Kinder hatten dabei die Gelegenheit, zwei Tage in die Schule mitzukommen- sie erlebten ein völlig anderes Bild von "Schule". Annikki und Miika waren ebenso von den Kindern und ihrer Freude überwältigt. Annikki meinte, sie würde gerne öfters kommen, so schnell hätte sie noch nie Freundinnen gefunden, wie in dieser Schule!

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Annikki mit ihren Freundinnen- und die beiden mit De Bron Schüler am werkeln

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Das Hersfees fand in den Herbstferien statt- schon eine Woche vorher kamen viele Kinder nicht mehr in die Schule (..und die LehrerInnen waren teils auch unauffindbar...). Wir sahen die fehlenden Kinder zu Hause, in den Strassen und sprachen mit Ihnen, damit sie kommen und auch in den Ferien mit uns weiter vorbereiten. Dies klappte schliesslich auch ganz gut, Kinder kamen mit ihren kleinsten Geschwistern an unsere Anlässe. 

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Regina und ich gestalten das Banner mit den Kindern in den Schulferien

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Die Kinder sind soweit "startklar" für die Parade

Am Tag der Parade warteten Regina und ich in der Schule auf die Kinder, die vorbei kommen sollten um sich für den Anlass zu verkleiden...eine Stunde später wimmelte es im ganzen Schulhaus vor lauter Kinder, wir waren mehr als glücklich! 

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Die selbstgebastelten Cars waren im Nu verteilt...

Die Parade startete mit einer Gruppe Tanz- und Frauenchorgruppe aus dem Township. Den Moment, als die Frauen begannen zu singen, werde ich nie vergessen- ein sehr emotionales Gefühl, das mich,  Regina und auch das anwesende Team vom SRFemotional berührte. 

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Start der Parade mit der Frauengruppe

Plötzlich hatte ich rechts und links und überall Kinderhände um mich und wir marschierten von den Townships über den Fluss in die mehr Weisse Wohnsiedlung. Auch dort wurden wir herzliche empfangen, es wurde geklatscht, getanzt und gespielt. 

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Die Karneval Band von Cape Town: Kapse Klopse

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Nach zwei Stunden war die Parade zu Ende und verschiedene Konzerte in den Lokalitäten fingen an zu spielen. Es war Zeit für die Kinder heim zu gehen. Nachdem das SRF eine grosszügige Spende für einen Snack aller Kinder offerierte, standen wir hier- niemand holte die Kinder ab! So fuhren wir die Kinder gemeinsam mit den Frauen aus dem Chor in die Location zurück. Leider hatten einige Kinder auch zu Hause niemand der auf sie wartete- die Konfrontation mit der Realität holte mich wieder ein - auch das ist das Erbe Südafrikas! 

Das Festival war insgesamt ein grosser Erfolg und wurde von Spendern und Gönnern sehr gelobt. Für uns als gesamte Familie war es eine eindrückliche Erfahrung und eine grosse Freude mitzuwirken. 

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Der Morgen danach...eine müde aber zufriedene Crew des Herfsfees...

Bis heute treffen Regina und ich uns regelmässig zum Austausch. Aktuell beschäftigen wir uns mit einem weiteren Projekt im Bereich der Prävention gegen Teenager Schwangerschaften sowie Workshops in den Schulen zum Schutz gegen sexuellen Missbrauch. Ein langer Weg und Spendengelder werden nötig sein- aber wir sind motiviert, dran zu bleiben und aktiv zu unterstützen.